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Herzlich Willkommen in der Ev.-luth. Erlöserkirchengemeinde Uetersen!

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Wenn Verkehrsschilder predigen ...
Karfreitag und Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten

 

  Man muss zweimal hinsehen, um das Ungewöhnliche zu entdecken: Ein Verkehrsschild „Sackgasse“ und ein gekreuzigter Jesus. Dieses Schild hängt im Stadtgebiet von Florenz. Ein Franzose mit dem Künstlernamen Clet hat die Erlaubnis bekommen, Verkehrsschilder in der Stadt Mittelitaliens kreativ zu gestalten. Die Zeichen behalten ihre Gültigkeit, in diesem Fall bedeutet es weiterhin „Sackgasse“, aber der Künstler durfte die Schilder mit zusätzlichen Botschaften versehen. Manche sind lustig, manche durchaus ernsthaft. Und manche vermitteln einen ganz neuen Inhalt.
  Der gekreuzigte Jesus, das war für die Jünger wie eine Sackgasse. Ende Gelände, aus und vorbei. Es ging nicht weiter. Die Sache Jesu war von den Römern brutal gestoppt worden und es schien, als wäre es das gewesen mit dem Projekt „Gottes Sohn auf Erden“.
  Insofern ist das Kreuz als Sackgasse eine Interpretation, die das Gefühl der Anhänger Jesu an Karfreitag gut wiedergibt.
  In diesem Fall gibt es aber eine Erweiterung, für mich eine Neuinterpretation. Das Schild darüber bedeutet eigentlich: „Achtung, Gegenverkehr!“ Für mich sieht es aber so aus, als sei der Balken am Ende der Straße nicht das Ende, als würde es weitergehen. Das Dreieck, in der Kunst ein Symbol für den dreieinigen Gott, steht über dem Ganzen. Der Pfeil im Dreieck, der nach oben zeigt, erinnert mich daran, dass Jesus ja nicht in der Sackgasse „Tod“ stecken geblieben ist, sondern dass Gott ihn auferweckt und ihn zu sich geholt hat. Man kann dabei an Ostern oder auch an Himmelfahrt denken. Der Pfeil nach oben vermittelt Hoffnung, denn Kreuz und Tod sind nicht das Letzte, was man von Jesus erzählen kann. Es geht aufwärts – nach dem Tod. Und dann ist da noch ein Pfeil, der nach unten zeigt und die Gegenbewegung ausdrückt: vom Himmel auf die Erde. Gott hat diesen Weg auch genommen. Zu Pfingsten ist der Heilige Geist auf die Jünger und Jüngerinnen gekommen, hat sie belebt, ermutigt, begeistert. Sie spürten die Kraft Gottes und wussten: Jesus ist da, auch wenn wir ihn nicht sehen. Möglicherweise hat nicht einmal Clet geahnt, als er das Schild „Sackgasse“ neu gestaltete, dass sein Werk – in der Kombination mit dem Dreieck „Achtung: Gegenverkehr“ – eine ganz neue Botschaft enthält, nämlich eine kurze Predigt über das Heilshandeln Gottes:
  Jesu Tod am Kreuz wirkt wie eine Sackgasse. Aber das ist nicht das Ende. Gott nimmt ihn zu sich.
  Trotzdem ist Jesus nicht fern. Er kommt von Gott und ist uns in seinem Geiste nah.
  Kürzer als auf diesen beiden Schildern kann man die Botschaft von Karfreitag, Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten nicht zusammenfassen. 

 

Pastor Johannes Bornholdt