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Herzlich Willkommen in der Ev.-luth. Erlöserkirchengemeinde Uetersen!

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Leseandacht zum 3. Sonntag nach Epiphanias

 


In diesem Jahr ist ziemlich alles anders. Anders als gedacht. Anders als erhofft. Anders als geplant.
Schweren Herzens hat der Kirchengemeinderat der Erlöserkirchengemeinde Uetersen sich dazu entschieden, bis auf Weiteres alle Gottesdienste abzusagen.


Vieles war schon geplant und organisiert. Viele Erwartungen und viel Vorfreude bei Ihnen, Euch und auch uns waren geweckt worden. Aber letzten Endes haben wir uns für die Absage von gemeinsam vor Ort gefeierten Gottesdiensten entschieden.

 

Wir hoffen auf Ihr Verständnis für diese Entscheidung, die wir aus Liebe zu und Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen getroffen haben.


Bleiben Sie gesund und behütet, und kommen Sie gut durch diese Tage!

 

Ihre Erlöserkirchengemeinde

Pastor Johannes Bornholdt
Pastorin Catharina Klein

 

 

 

 

 

 

Vom Warten und Schweigen im Advent

Warum Zacharias schweigen musste

 

  "Sogleich aber wurde sein Mund geöffnet und seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott." (Lk 1,64).

  Diesem Satz ging eine neunmonatige Zeit des Schweigens voraus. Die Rede ist hier von Zacharias, dem Vater von Johannes dem Täufer.
  Der Engel Gabriel verkündet dem hochbetagten Mann die Geburt eines Sohnes. Seine ebenfalls gealterte und noch dazu unfruchtbare Frau soll ihm ein Kind gebären. Zacharias reagiert verständlicherweise mit Unglauben. Der Engel lässt ihn zur Strafe verstummen und seine Frau wird tatsächlich schwanger. Neun Monate lang kann sich Zacharias nur mit Gebärden oder Schriftnotizen verständigen. Die meisten von uns können sich kaum vorstellen, wie es ist, nicht sprechen zu können. Wie es jedoch ist, in Gottesdiensten nicht singen zu dürfen, das mussten viele in den letzten Monaten erfahren, seitdem die Lieder nun gesummt werden.

  Aber Stille und Schweigen müssen nicht immer eine Strafe sein. Im Gegenteil: Wir alle brauchen Zeit der Stille und der inneren Einkehr. Die heilende Wirkung des Schweigens haben viele Menschen für sich entdeckt. Klöster bieten Schweigeseminare an. Auch in der Psychotherapie hat das Schweigen oft eine wichtige Funktion. Denn im Schweigen kann der Mensch zu sich selbst kommen. Man wird aufmerksam und empfänglich für die Dinge, die in einem aufkommen wollen.

  Mir scheint es, als hätte Gott die Lippen und Zacharias selbst versiegelt, damit er in der Stille das Geheimnis der Weihnachtsbotschaft begreifen kann und so zum Resonanzraum für den Geist und die Liebe wird.

  Der Heilige Geist, das göttliche Echo, kann in ihm erklingen, weil er darauf eingestimmt wurde, wie ein Instrument auf eine besondere Melodie. "I'll stand before the Lord of Song with nothing on my tongue but Hallelujah.", so beschreibt Leonard Cohen in seinem berühmten Song "Hallelujah" die Begegnung mit dem Göttlichen. Frei übersetzt bedeutet das: Ich werde vor dem Herrn des Liedes stehen mit nichts anderem auf den Lippen als "Hallelujah". Im Lichte Gottes hören alle Menschenworte auf und wir können nichts anderes tun, als Gott zu loben.

  Ich hoffe, dass die Zeit kommen wird, in der wir alle wieder gemeinsam in den Kirchen ohne Sorge um Infektionen ein Lied anstimmen können - nicht mit Summen, sondern mit Mund und Zungen.

  Bis dahin wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

 

Ihre Vikarin Heide Steinwehr