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Was passiert beim Abendmahl?

Der Evangelist Lukas erzählt eine merkwürdige Geschichte: Nach dem Kreuzestod Jesu sind zwei seiner Jünger auf der Flucht aus Jerusalem. Auf dem Weg begegnet ihnen ein Dritter, der sich ihnen anschließt und dem sie die bittere Geschichte erzählen. „Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde,“ ziehen sie das entmutigende Resümee ihrer verlorenen Hoffnungen.

 

Abendmahl

Am Abend, in der Herberge, setzen sie sich zum gemeinsamen Essen. „Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach‘s und gab‘s ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.“ Die beiden kehren sofort nach Jerusalem um und erzählen den anderen, was sie erlebt haben. In dieser frühen Erzählung eines Ostererlebnisses lassen sich viele Wesensmerkmale des Abendmahls feststellen, wie wir es in unseren Gottesdiensten feiern.

Da ist zunächst die unerkennbare Gegenwart des Auferstandenen. Unter den Elementen Brot und Wein teilt er sich uns mit, schenkt er sich uns, ist er gegenwärtig. Auch, wenn wir ihn nicht sehen, nicht einmal fühlen können, – er ist unter uns, so, wie er es beim letzten Abendmahl mit seinen Jüngern am Tag vor seinem Tod verheißen hat. Und seine Gegenwart befreit uns von allem, was uns von Gott trennte, vor allem von unserer Schuld.

Zugleich feiern wir aber auch die Gemeinschaft untereinander: Das Abendmahl ist eine Vorwegnahme dessen, dass wir einmal alles Lebensnotwendige miteinander teilen werden; dass die Menschheit zu anderem berufen ist, als Egoismus und Habgier uns weismachen wollen. So ist es zugleich auch das Freudenmahl in der Hoffnung gegen den Tod: Wenn der Auferstandene nun „in Gott“ ist und zugleich unter uns, dann haben auch wir Anteil an Gott. Dann gilt auch uns die Verheißung, dass Gott über unser Leben hinaus bei uns sein will und der Tod nicht das endgültige Vergehen ist.

Ja, dieses Mahl verbindet uns zugleich mit der Bundesgeschichte Gottes mit seinem Volk Israel. Denn damals, beim Auszug aus Ägypten, wurde das Passamahl als Zeichen der Befreiung eingesetzt. Indem Jesus es aufnimmt und auf seinen Tod hin weiterdeutet, werden wir als Glaubende mit hineingenommen in Gottes „neuen Bund“, der den alten jedoch nicht abschafft, sondern ausweitet auf uns, die ehemaligen „Heiden“.

So hat unser Abendmahl als Sakrament eine unerschöpfliche Tiefe und Bedeutung, die wir erst im Glauben ahnen können.

Pastor Joachim Gorsolke, Kirchengemeinde Am Kloster